Koray Yılmaz-Günay
Tugendterror

Staatliche Maschine zur Auffindung unreinen Blutes

Und: Welches Blut haben Sie? Dürfen Sie überhaupt hier sein?

Vor zehn Jahren, Abdullah Gül war gerade Präsident der Türkischen Republik geworden, wurde er aus Reihen der «oppositionellen» CHP angegriffen. Er hatte einen Aufruf zur Entschuldigung für den Genozid an der armenischen und assyrischen Bevölkerung des Osmanischen Reiches nicht verurteilt. Insbesondere die damalige CHP-Abgeordnete Canan Arıtman sah dies darin begründet, dass Adviye Gül (die Mutter des Präsidenten) in Wahrheit Armenierin gewesen sei. Dies sollte bedeuten: Abdullah Gül ist für das Amt des Staatspräsidenten nicht geeignet. Gül verklagte sie und bekam Recht. Die einen meinten «Armenischsein» sei beleidigend, die anderen ließen gerichtlich feststellen, dass es sich dabei um eine strafbewehrte «Verleumdung» handele.

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Tugendterror

Die Aufregung über die Wahl des Bundespräsidenten, die keine Wahl sei, weil alle schon wissen, was rauskommt, finde ich noch langweiliger als die Vorstellung, dass dieses absurde Amt überhaupt existiert.…
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Tugendterror

Die dumme Rede von «Merkels Staatsversagen»

Es grassiert dieses Wort, das mit der Realität nichts – zumindest mit meiner Realität gar nichts – zu tun hat, auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Ich halte es für verwerflich. Und zwar aus folgenden Gründen:

1. Die Bundesregierung ist, inklusive der Bundeskanzlerin, ausgesprochen «erfolgreich» darin, dieses Land zu «managen».

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Rezensionen

«Manchmal braucht man keine Lösung, wenn man weiß, dass die Richtung stimmt»

Rezension zu Ármin Langer (2016): → Ein Jude in Neukölln. Mein Weg zum Miteinander der Religionen. Berlin: → Aufbau Verlag.
304 Seiten, gebunden, mit Schutzumschlag
ISBN: 978–3–351–03659–1 (vergriffen)

Die Rezension ist erschienen in: → kritisch-lesen.de, Ausgabe 42 («Repression und Überwachung») vom 3. Januar 2017.

Ein autobiographischer Essay plädiert für ein geduldiges und beharrliches Gespräch zwischen Jüd_innen und Muslim_innen, um sich keine Feindschaft einreden zu lassen.

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Tugendterror

«Wo kommen Sie eigentlich ursprünglich her?»

Sagen wir mal – rein hypothetisch –, die Bundesrepublik würde sich als Nachfolgestaat des Deutschen Reiches inklusive seiner nazistischen Epoche verstehen. Wie erklärt sich dann die Einteilung von Menschen(gruppen) nach polizeilichem Augenschein (also Phänotyp) in (potentiell) schädliche Mitglieder der Gesellschaft und die Einschränkung ihrer Grund- und Freiheitsrechte?

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Rezensionen

Willkommen im Deutschenstadl


Der kritische Teil der Sozialwissenschaften hat seit einiger Zeit ein Steckenpferd. Er möchte in gewichtigen, aus angelsächsischen Debatten übernommenen Begriffen («Intersektionalität», «Interdependenz») beschreiben, wie Herrschaftsverhältnisse – insbesondere Klassenunterdrückung, Rassismus und Sexismus – zusammenwirken. Dass sozialistische Frauenbewegungen seit bald einhundert Jahren zumindest auf die Verschränkungen von Klassen- und Geschlechterverhältnissen hinweisen, dass von Schwarzen, Romnija, Jüdinnen, «Behinderten» und Migrantinnen spätestens in den 1980er Jahren das Philiströse des bürgerlichen Feminismus kritisiert wurde, der zwar für alle sprechen wollte, dafür aber manche zum Schweigen bringen musste, ist irgendwann in den 1990er Jahren vergessen worden. Eine neue Generation in der Gender- und Queer-Theorie konnte so um die Jahrtausendwende mit ehrlichem Erstaunen entdecken, dass es da offenbar einen grundlegenden Zusammenhang gibt. Dass die Welt sich nicht so einfach in «Wir» und «Die» sortieren lässt.


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Tugendterror

Gehaltvolle Frage zum Sonntag

Seit geraumer Zeit (ca. 2013) wirbt eine Liebes-Vermarktung mit dem Slogan, dass sich alle elf Minuten ein Single über sie verliebe. Wenn sich die Frequenz in ca. drei Jahren trotz penetranter Bewerbung nicht signifikant verbessert hat, stellt sich die Frage, warum die eigentlich so viel Geld da reinstecken… Warum verliebt sich da nicht alle zehn Komma vier sieben Minuten ein Single?

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Tugendterror

Manche haben es wirklich schwer

Ich bin tatsächlich → in einem «Umfeld» aufgewachsen, «wo kein Deutsch gesprochen wird» («Parallelwelt»). Offenbar muss ich der segregierenden Wohnungs- und Bildungspolitik der 1980er und 1990er nachträglich dankbar dafür sein. Sie hat sie mich vor einer «Integration» in die Gemeinschaft dieser Kackbratze (ohne Anführungszeichen) und ihrer «linken» Rhetorik bewahrt. Wenn Wagenknecht sagt: «Es können nicht alle Flüchtlinge nach Deutschland kommen», meint sie nicht:

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Ich bin nicht «Deutschland»

Die neuerliche Lektüre von Daniel Goldhagens «Ordinary Germans» (in meiner Übersetzung nicht «gewöhnliche», weil richtiger: ordinäre Deutsche) führt zu diesem Zwischenstand: Kein «anderes», kein «bessres» und auch kein «neues» Deutschland mehr für mich, danke. Ich war selbst nie «Deutschland» noch «Volk», hatte mir aber eine gewisse Einfältigkeit gegenüber Leuten mit nationallibidinöser Bindung angeeignet, wenn sie sonst noch die eine oder andere Latte am Zaun haben.

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Tugendterror

Pegida fiel nicht vom Himmel

Rezension zu Inva Kuhn (2015): → Antimuslimischer Rassismus. Auf Kreuzzug für das Abendland. Köln: → PapyRossa.
110 Seiten, Broschur
ISBN: 978–3–894–38560–0 (lieferbar)

Die Rezension ist erschienen in: → kritisch-lesen.de, Ausgabe 35 («Lesen und Sterben») vom 7. April 2015.

Eine kurze Einführung verortet antimuslimischen Rassismus im Rahmen rassistischer Kontinuitäten und im Kontext (geo-) politischer Interessen.

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Tugendterror

Problem: Lösung


Ich möchte der Firma Ferrero empfehlen, soziale Netzwerke wie Facebook zu nutzen, um die gefühlt 427 Jahre alte Frage, ob es sich bei ihrem Produkt «Duplo» um die längste Praline der Welt handele, endlich in einer automatisierten Befragung repräsentativ beantworten zu lassen. Das vermutlich zweitwichtigste Problem des hiesigen Werbefernsehens könnte dann endlich den Raum bekommen, der ihm zukommt. Meines Wissens sucht Deutschland nämlich schon genauso lang den Superstar. Offenbar lassen sich beide Angelegenheiten parallel nicht lösen.

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Tugendterror

Gedanken vor Christi Himmelfahrt

 

Ich habe das erste Gebot heute nur zur Hälfte gebrochen: Ich habe zwar nicht akzeptiert, dass er der HErr, mein Gott ist. Andererseits habe ich (u.a. deswegen) keine anderen Götter gehabt neben ihm. Das zweite Gebot entfiel in Ermangelung der ersten Hälfte des ersten: Ich konnte seinen Namen nicht missbrauchen. Der Feiertag ist erst morgen, ich musste ihn nicht heiligen. – Wir sind immer noch bei einem halben gebrochenen Gebot bis hierhin. Meine Mutter und meinen Vater ehrte ich wie ehedem. Getötet habe ich, nicht willentlich, aber die dicke fette Spinne ängstigte meine Schwester und ich musste eine Priorität setzen. (Minus eins = anderthalb.) Ich habe nicht Ehe gebrochen, denn juristisch und theologisch gilt meine Partnerschaft nicht als solche. Ich habe nicht gestohlen. Das mache ich erst morgen. Ich habe nicht falsch Zeugnis geredet wider meine Nächsten. Dafür war keine Zeit. Außerdem ist immer alles, was ich über meine Nächsten rede, nicht falsch, sondern richtig. Ich mag meine Wohnung und begehrte deswegen nicht meiner Nächsten Haus noch ihr Weib, ihren Knecht, ihre Magd, ihr Vieh noch alles, was meine Nächsten besitzen. Für Produktions- und Verteilungsgerechtigkeit wird im Kommunismus noch genügend Raum und Zeit sein. Alles in allem war ich heute also zu 85% ein guter Christ. Und das Sabbat-Gebot sowie das Bildverbot beiseite – wie auch das Gebot, seinen Namen möglichst oft herzusagen –, war ich wohl auch ein guter Jude und Muslim.


Christus kann morgen, zumindest was mich betrifft, ganz beruhigt gen Himmel fahren. Er ist nicht umsonst gestorben.

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Tugendterror

Erfolg: serienmäßig

 

Hätte ich viel früher viel mehr Zeit gehabt und/oder während mancher Hustensaft-Kur nicht nur Codein eingelagert, sondern nebenher noch technischen Sachverstand erworben, hätte mir vielleicht der Fehler unterlaufen können, eine Fernsehserie mit dem Titel «How I met your Mudda» zu erdenken. So aber blieb mir der Sachverstand und der Welt dieses Übel erspart – und Welt und ich können weiterhin in der Erwartung leben, dass ein Berliner Club in der Urbanstraße einst zur Kulisse einer wirklich erhellenden Abendunterhaltungsserie werde: «Where I met your brother».

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Tugendterror

Konfrontative Pädagogik II


Wenn ich immer öffentlich äußern würde, was ich gern öffentlich äußern würde, könnte ich nach § 130 Strafgesetzbuch recht häufig mit «Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft» werden. Diese Aussicht ist nicht so schön. Die Aussicht, dass Tourette-Karaoke irgendwann als Workshop-Methode anerkannt werden könnte, ist da schon schöner.

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Tugendterror

I am a Wutbürger, Baby!

Ich möchte mich bei Olaf Scholz («Sozialdemokratie»), Alice Schwarzer («Bild der Frau»), den Sicherheitsbediensteten der Deutschen Bahn («Hau ab, du N–») und zahlreichen anderen Prominenten und Nicht-Prominenten nienich bedanken für ihre Beiträge im Dienste der allseitigen «Meinungsfreiheit» in unserem Land. Ihre öffentlich geäußerten Gedanken aus den letzten Tagen sind zwar frei, aber sie stehen im Dienst der Unfreiheit. Die oben genannten Personen wissen, dass Prostitution eine Arbeit ist. Dass das Problem Rassismus heißt. Dass kein Mensch illegal ist – nirgends. Dass sie trotzdem willentlich das Gegenteil sagen und mit Macht (z.B. Gesetze, Geld, Befugnisse, Medien) durchsetzen, qualifiziert sie in meinen Augen zu Zombies (Tote, die nicht begraben wurden oder aus dem Grab auferstanden sind).

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Zeitschriften/Blogs

Warum schäme ich mich?

Der 27. September 2013 ist ein ganz gewöhnlicher Frühherbsttag. Vielleicht ein bisschen wärmer als zu erwarten wäre, ein wenig angenehmer im Anlauf als die Tage davor. Ich hatte mich gut auf den Tag vorbereitet, zwei wichtige Gespräche stehen auf der Arbeit an, das erste um 11:30 Uhr. Keine Eile, vielleicht sogar ein bisschen Vorfreude. Die S-Bahn ist voll, aber alle, die sitzen wollen, haben ihren Platz gefunden. Mir gegenüber auf einem der Viererplätze eine etwa Fünfundvierzigjährige, die eine populäre Zeitschrift, neben ihr ein etwas älterer Mann, der einen Fantasy-Roman liest. Eine Viertelstunde ignorieren wir uns mit gelegentlichen Blicken höflich, interessiert aber an der Lektüre der jeweils anderen Personen. Es gelingt mir in den fünfzehn Minuten trotzdem nicht, den Buchtitel oder eine Überschrift aus der Zeitschrift zu erkennen. Am Bahnhof Sonnenallee steigt eine Frau über sechzig ein. Sie hat ein markantes Gesicht, gepflegtes Haar und ist extravagant gekleidet, ein bisschen zu warm vielleicht für einen Tag, der fast zwanzig Grad verspricht. Ihr eierschalenfarbener Kunstpelz ist am auffälligsten. Ich nehme mein Buch in die eine und die Tüte zwischen meinen Beinen in die andere Hand, stehe auf und gestatte ihr dadurch, trotz weitem Pelz den letzten freien Sitz am Fenster einzunehmen. Dann setze ich mich wieder hin und stecke mein Buch in meine Umhängetasche. Ich muss in wenigen Minuten aussteigen.

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Interviews

«Unwürdig und menschenverachtend: EU setzt bei Asyl weiter auf Abschottung»

Die interaktive Gesprächsrunde mit der EU-Parlamentsabgeordneten Cornelia Ernst (DIE LINKE) und mir, zu der wir am 19. Juni 2013 im Europa-Parlament in Brüssel zusammengekommen waren (Moderation: Eric Bonse). Die drei Teile der Sendung kreisen um die Frage, was sich mit dem neuen Asylpaket ändern wird, das am 7. Juni 2013 das Europäische Parlament passiert hat – und auch darum, wie es besser wäre.

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Tugendterror

Unter vier Augen wird gern eins zugedrückt

«Asylkompromiss» ist der Name für die faktische Abschaffung des Asylrechts heute vor 20 Jahren: Am 26. Mai 1993 haben sich aus CDU, CSU, FDP und die «oppositionelle» SPD unter Scharfmacher O. Lafontaine darauf geeinigt, dass die Sensibilität des deutschen Mobs wichtiger ist als das Leben von Leuten, die nicht «deutsch» sind und nicht deutsch sein können. Kein Wunder, dass zum Dank fürs Entgegenkommen drei Tage später in Solingen Menschen verbrannt wurden. Kein Wunder, dass Nazis bis heute damit rechnen können, dass im Zweifelsfall sie eher «dazu»-gehören als ihre Opfer.

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Interviews

«Das Problem heißt Rassismus»

Gespräch mit Koray Yılmaz-Günay. Über die Lebenssituation von Migranten in der BRD, staatlichen Rassismus und Versäumnisse linker Politik.

Sie engagieren sich seit Jahren nicht nur beruflich für Migranten. Wie ist es aktuell um deren Rechte in der Bundesrepublik bestellt?

Ich wünschte, die Frage wäre einfach zu beantworten. Wir könnten das Zuwanderungsgesetz aufschlagen und noch ein paar Grundlagentexte und wüssten, wie es um Teilhabe und Gleichbehandlung bestellt ist. Leider ist die Situation anders. Jede Bundesregierung legt ein Toleranzprogramm auf. Für manche Gruppen wird hier und da einiges verbessert, anderes verschlechtert sich. Es gibt ja keine einheitliche Gruppe «der Migranten».

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Rezensionen

Nichts zu heilen, viel zu schädigen: die deutsche «Beschneidungsdebatte» des Jahres 2012

Rezension zu Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß, Salih Alexander Wolter (November 2012): → Interventionen gegen die deutsche «Beschneidungsdebatte». Münster: → edition assemblage.
96 Seiten, Broschur
ISBN-13: 978–3–942885–42–3 (lieferbar)

Die Rezension ist erschienen in: → kritisch-lesen.de, Ausgabe 25 («Alternative Kinderbücher») vom 8. Januar 2013.

Ein schmaler Band mit Interventionscharakter widmet sich der Debatte um die Vorhautbeschneidung von Jungen und zeigt, dass sich dieses Phänomen nicht isoliert betrachten lässt.

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Langer Atem bis zur vollständigen Gleichberechtigung

{itpsharepoint}Der Juni ist der Monat der erhöhten Sichtbarkeit von Lesben und Schwulen. Am 25. Juni 2011 wird der 33. Christopher Street Day durch Schöneberg ziehen. Bereits am Wochenende vorher wird am Nollendorfplatz das 19. Lesbisch- Schwule Stadtfest gefeiert. Schrill und laut wie eh und je, will es scheinen. Die Volksfestatmosphäre, die in den meisten deutschen Großstädten heute bei solchen Veranstaltungen üblich ist, verstellt aber den Blick auf Realitäten, die nach wie vor von Diskriminierung und Gewalt geprägt sind. Der Kampf für gleiche Rechte, wie er 1969 in New York begann, ist längst noch nicht ausgefochten.

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Von Barrieren und ihrer Überwindung

{itpsharepoint}Es kommt selten vor, dass wirkliche Revolutionen passieren. Umso erfreulicher ist die UN-Konvention für die Rechte der Menschen mit Behinderungen, die eine solche darstellt. Wegweisend werden dort «Behinderungen» als soziale Phänomene definiert, die im Verhältnis zwischen einer Person mit körperlichen, seelischen oder geistigen Beeinträchtigungen und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entstehen. Häufig genug sind es eben fehlende gesellschaftliche Vorkehrungen, die dafür sorgen, dass eine Beeinträchtigung zu einem gravierenden Ausschluss führt – und damit behindernd wirkt.

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Prostitution – Verdrängung aus dem Schöneberger Norden?

{itpsharepoint}Der Schöneberger Norden kommt nicht zur Ruhe. Der Straßenstrich ist weit über die Grenzen Berlins bekannt – und innerhalb des Quartiers immer wieder Grund für Auseinandersetzungen, die bis zur körperlichen Gewalt reichen. Auch in Zeiten legalisierter Bordellbetriebe und spezialisierter Internetdienste sorgen Phänomene wie Autoverkehr, Dreck und Lärm weiter für Ärger unter der Anwohnerschaft. Mit dem Frühjahr werden die Reibereien somit auf die Tagesordnung zurückkehren. Aufsehen erregte zuletzt die Initiative der SPD, Fotos von Freiern und deren PKW-Kennzeichen ins Internet zu stellen. Damit ergänzte sie einen Vorschlag der CDU, eine bezirkliche «Anti-Freier-Kampagne» auf den Weg zu bringen.

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Frauen und Homosexuelle im Clash of Civilizations. Mit Rassismus gegen Sexismus und Homophobie?

{itpsharepoint}

Rassismus ist in Deutschland ein Phänomen, das gern der politischen Rechten, wenn nicht den Rechtsextremen zugeschrieben wird. Als Erklärung halten in aller Regel eine mangelhafte „Aufklärung“ über kulturelle Verschiedenheit oder negative Erfahrungen von Einzelnen her. Dass es sich dabei um ein Unterschichten-Phänomen handelt, ist ausgemacht. Statt von „Rassismus“ spricht die Allgemeinheit immer noch lieber von „Ausländer_innen-“ oder „Fremdenfeindlichkeit“ und deutet diese streng individuell. Strukturelle Ebenen bleiben außer Betracht. Seit Jahr und Tag gibt es die zwanzig Prozent der Bevölkerung, die ein verdichtetes Weltbild haben, in dem ein Gemisch von Ungleichheitsideologien zum Einstellungs-Repertoire gehört. Feminist_innen sowie Lesben und Schwule gehören zum Feindbild dieser Menschen, weil unter anderem die Gleichberechtigung unterschiedlicher Geschlechter und sexueller Orientierungen den Kern des Weltbildes gefährdet, nach dem Gruppen von Menschen nicht nur verschieden, sondern auch unterschiedlich viel wert zu sein haben.

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Gefährliche Jungen? Zur Bedeutung des Migrationshintergrundes in der Arbeit mit Jungen

{itpsharepoint}Die Arbeit mit «jungen Migranten», «Jugendlichen nicht-deutscher Herkunft» oder «mit jungen Männern mit Migrationshintergrund» findet nicht im luftleeren Raum statt. Deswegen kann ich heute auch nicht so tun, als würde ich hier im Vakuum und nur über sie sprechen können. Unsere Gesellschaft ist geprägt von vielen Ungleichheitsverhältnissen, die nicht parzelliert vorkommen, sondern immer in bestimmten Zusammenhängen. Geschlecht und Herkunft stehen in diesem Vortrag zwar erst einmal im Vordergrund. Sie stehen allerdings gemeinsam im Vordergrund. Und deswegen mag es an der einen oder anderen Stelle so klingen, als hätte es nichts mit Jungenarbeit zu tun, was ich Ihnen sage. Ich bin jedoch überzeugt, dass es tatsächlich an jeder Stelle dieses Vortrages explizit um Jungenarbeit geht.

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Almanya’da «Müslüman» Kimliği ve Homofobi

{itpsharepoint}Almanya’da «İslam»’dan ya da «Müslümanlar»’dan bahsedildiğinde gündeme gelen konular, öncelikle şiddet/terörist saldırılar ve hemen sonra cinsiyet(çilik) ve (eş)cinsellik konularıdır.[1] Bir kadının başörtüsü kullanmasının ne anlama geldiği, «namus» cinayetlerinin, eşcinsel düşmanı ya da aile içi şiddetin nasıl önlenebileceği, zorunlu evlilikler ve benzeri konular, Almanya’da hiçbir konunun ele alınmadığı kadar sıkça ve geniş bir platformda ele alınıyor. Medya, siyaset, devlet, bilim ve sivil toplum gibi önemi küçümsenemeyecek tartışma ortamlarının hepsinde hemen göze çarpan özellik ise, bu konuların kendini «Müslüman» olarak tanımlayan insanlarla değil, bu insanlar üzerine konuşarak işlenmesi.

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Rechtspopulismus und Wir-Gefühl

{itpsharepoint}Bis zu 2.500 Menschen erschwerten am 17. Juli 2010 den Mitgliedern  von «pro Deutschland» den Zutritt zum Bundesparteitag im Rathaus Schöneberg. Sinn fürs Groteske bewies dabei nicht nur die unverhältnismäßig gewalttätige Polizei, sondern auch die rechtspopulistische «Bürgerbewegung», die vor allem aus vermeintlich geläuterten Rechtsextremen,  Sozialdarwinist_innen und offenen Rassist_innen besteht. Das Gebäude, von dessen Balkon John F. Kennedy der Westberliner Bevölkerung «Kampf- und Widerstandsgeist» gegen den Feind bescheinigte, sollte als Symbol der Wehrhaftigkeit auch für die Konflikte von heute stehen.

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