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Mehr als ein Vorurteil – Rassismus als gesellschaftliches Verhältnis

 

Rassismus wird häufig bei Neo-Nazis verortet oder allenfalls mit «Vorurteilen» gleichgesetzt, die alle haben. Als Patentlösung erscheinen in der Folge meist Programme zur Toleranz-, Vielfalts- und Demokratie-Förderung in der Schule sowie in der schulbezogenen und außerschulischen politischen Bildung mit Jugendlichen. Rassismus ist aber wesentlich mehr als eins der Ideologieelemente des Neonazismus und längst nicht nur unter Jugendlichen verbreitet. Es braucht gesamtgesellschaftliche Anstrengungen, um über Jahrhunderte gewachsene Wissensbestände und Strukturen zu bekämpfen, die Verschiedenheit dazu nutzen, soziale Ungleichheit zu legitimieren.

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«Rassismus ist kein Nebenwiderspruch»

 

Sie engagieren sich seit Jahren nicht nur beruflich für Migrant_innen. Wie ist es aktuell um deren Rechte in der Bundesrepublik bestellt?

 

Ich wünschte, die Frage wäre einfach zu beantworten. Wir könnten das Zuwanderungsgesetz aufschlagen und noch ein paar Grundlagentexte und wüssten, wie es um Teilhabe und Gleichbehandlung bestellt ist. Leider ist die Situation anders. Jede Bundesregierung legt ein Toleranzprogramm auf. Für manche Gruppen wird hier und da einiges verbessert, anderes verschlechtert sich. Es gibt ja keine einheitliche Gruppe «der Migrant_innen».

 

Die Situation von serbischen oder mazedonischen Staatsangehörigen ist anders als die von bulgarischen und rumänischen. Die EU-Mitgliedschaft garantiert aber auch für sie nicht dieselben Rechte wie für Staatsangehörige Schwedens oder Polens. Die Herkunft von Menschen, die hierher geflüchtet sind, entscheidet ganz wesentlich darüber, wie willkommen sie sind. Denken Sie nur an die Debatten zur Aufnahme christlicher Flüchtlinge aus dem Nahen Osten im Gegensatz zur Debatte zur Abschiebung von Roma in den westlichen Balkan, die perfiderweise gleich am Tag nach der Eröffnung des Denkmals für die vom Naziregime ermordeten Sinti und Roma Europas von Bundesinnenminister angekündigt wurde. Aus Frankreich wurden Roma ja sogar vollkommen rechtswidrig als EU-Bürger_innen abgeschoben.

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«Manchmal braucht man keine Lösung, wenn man weiß, dass die Richtung stimmt»

 

Ein Jude in Neukölln (Buchcover)Ein autobiographischer Essay plädiert für ein geduldiges und beharrliches Gespräch zwischen Jüd_innen und Muslim_innen, um sich keine Feindschaft einreden zu lassen:

 

Ármin Langer: Ein Jude in Neukölln. Mein Weg zum Miteinander der Religionen.

 

Es sieht düster aus für das jüdische Leben in der Bundesrepublik, wenn Verlass auf die öffentliche Darstellung ist. Und der Berliner Bezirk Neukölln ist in vielerlei Hinsicht ein Beispiel dafür. Wer «Neukölln» sagt, meint: soziale Brennpunkte, Parallelgesellschaften, Großfamilien – und No-go-Areas. Die Umtriebigkeit des ehemaligen Bürgermeisters Buschkowsky (u.a. mit seiner Publikation «Neukölln ist überall»), aber auch die Popularisierung des sogenannten Neuköllner Modells der Jugendrichterin Heisig («Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter», siehe Rezension von Fritz Güde in kritisch-lesen.de Ausgabe 1) haben dem Bezirk schon vor Jahren eine unrühmliche Bekanntheit verschafft, mit der es anno dazumal vielleicht noch Kreuzberg aufnehmen konnte – bis dort alles In-Wert-Setzbare nicht nur irgendwie hübsch, sondern auch «sicher» gemacht wurde. Neukölln hat Kreuzberg also derweil – trotz «Kottbusser Tor» und «Görlitzer Park» – in manchem den Rang abgelaufen. Vor allem, was die Ethnisierung aller Arten von Tristesse angeht.

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«Bildet euch, denn wir brauchen all eure Klugheit. Bewegt euch, denn wir brauchen eure ganze Begeisterung. Organisiert euch, denn wir brauchen eure ganze Kraft.» (Antonio Gramsci)

 

In dem von Marcus Hawel und Stefan Kalmring herausgegebenen Sammelband «Bildung mit links! Gesellschaftskritik und emanzipierte Lernprozesse im flexibilisierten Kapitalismus», der meinem ehemaligen Kollegen Dieter Schlönvoigt gewidmet ist, findet sich in illustrer Gesellschaft der Text «Intersektionalität in der Bildungsarbeit» von Claudia de Coster, Salih Wolter und mir (S. 118–135). Neben der Printversion gibt es hier das gesamte Buch auch zum freien Download (PDF-Volltext). Für die Internet-Veröffentlichung gelten die Bedingungen einer Creative Commons License: Creative Commons Attribution-Non-Commercial-NoDerivs 3.0 Germany License (abrufbar hier). Nach dieser Lizenz darf der Text für nichtkommerzielle Zwecke vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden unter der Bedingung, dass die Namen der Autor_innen und der Buchtitel inkl. Verlag genannt werden, der Inhalt nicht bearbeitet, abgewandelt oder in anderer Weise verändert wird und er unter vollständigem Abdruck dieses Lizenzhinweises weitergegeben wird. Alle anderen Nutzungsformen, die nicht durch diese Creative-Commons-Lizenz oder das Urheberrecht gestattet sind, bleiben vorbehalten.

 

Warum schäme ich mich?

 

Der 27. September 2013 ist ein ganz gewöhnlicher Frühherbsttag. Vielleicht ein bisschen wärmer als zu erwarten wäre, ein wenig angenehmer im Anlauf als die Tage davor. Ich hatte mich gut auf den Tag vorbereitet, zwei wichtige Gespräche stehen auf der Arbeit an, das erste um 11:30 Uhr. Keine Eile, vielleicht sogar ein bisschen Vorfreude. Die S-Bahn ist voll, aber alle, die sitzen wollen, haben ihren Platz gefunden. Mir gegenüber auf einem der Viererplätze eine etwa Fünfundvierzigjährige, die eine populäre Zeitschrift, neben ihr ein etwas älterer Mann, der einen Fantasy-Roman liest. Eine Viertelstunde ignorieren wir uns mit gelegentlichen Blicken höflich, interessiert aber an der Lektüre der jeweils anderen Personen. Es gelingt mir in den fünfzehn Minuten trotzdem nicht, den Buchtitel oder eine Überschrift aus der Zeitschrift zu erkennen. Am Bahnhof Sonnenallee steigt eine Frau über sechzig ein. Sie hat ein markantes Gesicht, gepflegtes Haar und ist extravagant gekleidet, ein bisschen zu warm vielleicht für einen Tag, der fast zwanzig Grad verspricht. Ihr eierschalenfarbener Kunstpelz ist am auffälligsten. Ich nehme mein Buch in die eine und die Tüte zwischen meinen Beinen in die andere Hand, stehe auf und gestatte ihr dadurch, trotz weitem Pelz den letzten freien Sitz am Fenster einzunehmen. Dann setze ich mich wieder hin und stecke mein Buch in meine Umhängetasche. Ich muss in wenigen Minuten aussteigen.

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«Vorwärts und nicht vergessen und die Frage korrekt gestellt beim Hungern und beim Essen: Wessen Morgen ist der Morgen? Wessen Welt ist die Welt?»


Am 27. Juni 2013 habe ich auf Einladung des Kultur- und Gesellschaftsmagazins «Freitext» mit Bilgin Ayata, Mutlu Ergün, Grada Kilomba, Isidora Randjelović und Tayo Onutor im Ballhaus Naunynstraße über ein paar sehr grundsätzliche Dinge gesprochen. «No Divide and Rule» ging der Frage nach, wie es sich verhält mit der Solidarität zwischen sogenannten Communities. Woher kommt Solidarität – wie muss sie aussehen? Die gesamte Veranstaltung ist audio-dokumentiert und kann hier nachgehört werden:

 

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Das neue EU-Asyl-Paket ist da


«Unwürdig und menschenverachtend: EU setzt bei Asyl weiter auf Abschottung» – so der Titel der interaktiven Gesprächsrunde mit der EU-Parlamentsabgeordneten Cornelia Ernst (DIE LINKE), zu der wir am 19. Juni 2013 in Brüssel zusammengekommen waren. Die drei Teile der Sendung kreisen um die Frage, was sich mit dem neuen Asylpaket ändern wird, das am 7. Juni 2013 das Europäische Parlament passiert hat – und auch darum, wie es besser wäre.


http://www.youtube.com/watch?v=OBpdOOc7Ijs (externer Link, erster Teil)

http://www.youtube.com/watch?v=eWte9uzYI2E (externer Link, zweiter Teil)

http://www.youtube.com/watch?v=6dkNWlLSBOk (externer Link, dritter Teil)

 

Zu sagen, was ist


Unter dem Titel «Zu sagen, was ist. Einige Gedanken zu ‹Deutsch›-Sein, Asyl/Flucht und ‹NSU›» habe ich ein paar Gedanken zusammengefasst. Der Text erscheint im Newsletter «Leben nach Migration» (Juni 2013) des Migrationsrates Berlin-Brandenburg. Hier finden Sie die Volltext-Version auf meiner Internetseite (interner Link).

 

Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte»


In der ZAG – Antirassistische Zeitschrift 63/2013 mit dem Schwerpunkt «Repressive Toleranz» findet sich auf den Seiten 25–27 eine stark gekürzte Fassung von Pink Washing Germany? Der deutsche Homonationalismus und die «jüdische Karte». Hier geht es zur Internetseite der ZAG (externer Link).

 

Hier geht es zur Internetseite der Edition Assemblage, wo der ungekürzte Beitrag im Sammelband «Wer Macht Demo_kratie? Kritische Beiträge zu Migration und Machtverhältnissen» Ende Juni 2013 erschienen ist (externer Link).


Erste Rezensionen finden sich hier und hier.

 

Radio-Interview

 

Hier findet sich ein ganz gutes und vor allem ausführliches Radio-Interview mit mir, das anlässlich des Vortrags «Flucht und Migration – Hintergründe und Aspekte einer ökonomisierten Wanderungsbewegung» am 23. April 2013 in Erfurt mit Radio F.R.E.I. geführt wurde. Das Gespräch dreht sich um die Zusammenhänge von internationaler Arbeitsteilung, europäischem und deutschem Rassismus sowie neo-kolonialer «Menschenrechtspolitik».

http://audio.radio-frei.de/podcast/2013%2004%2023%20%20Interview%20Yilmaz-Guenay.mp3 (Direktlink zum Podcast)

 

«Das Problem heißt Rassismus»

 

Gespräch mit Koray Yılmaz-Günay. Über die Lebenssituation von Migranten in der BRD, staatlichen Rassismus und Versäumnisse linker Politik.

 

Sie engagieren sich seit Jahren nicht nur beruflich für Migranten. Wie ist es aktuell um deren Rechte in der Bundesrepublik bestellt?

 

Ich wünschte, die Frage wäre einfach zu beantworten. Wir könnten das Zuwanderungsgesetz aufschlagen und noch ein paar Grundlagentexte und wüssten, wie es um Teilhabe und Gleichbehandlung bestellt ist. Leider ist die Situation anders. Jede Bundesregierung legt ein Toleranzprogramm auf. Für manche Gruppen wird hier und da einiges verbessert, anderes verschlechtert sich. Es gibt ja keine einheitliche Gruppe «der Migranten».

 

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Nichts zu heilen, viel zu schädigen: die deutsche «Beschneidungsdebatte» des Jahres 2012

 

Ich bespreche in der aktuellen Ausgabe von Kritisch-lesen.de ein ganz hervorragendes Buch zur deutschen «Beschneidungs-Debatte» des Jahre 2012. Hier geht es zur Rezension des schmalen Bandes von Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter, der Ende November in der Edition Assemblage erschienen ist.

 

Sexuelle Selbstbestimmung als Topos im antimuslimischen Rassismus

 

So ist ein Beitrag von mir überschrieben, der im Frühjahr 2013 im Sammelband «Die neuen Rechten in Europa zwischen Neoliberalismus und Rassismus» erscheinen wird. Das Buch wird für die der Jenny Marx Gesellschaft in Rheinland-Pfalz herausgegeben von Peter Bathke und Anke Hoffstadt. Ich freue mich über freundliche Beachtung!

 

Hier kann der vollständige Artikel gelesen werden: Beitrag.

 

Ich hege und pflege Pi!

 

Seit kurzem bin ich stolzer Pate der Zahl 3,14159 auf der Internetseite des jungen Vereins Zahlpatenschaft e.V. Die Zahlpatenschaft bietet mir die einzigartige Möglichkeit, mich schützend für meine Zahl einzusetzen und meiner tiefen Verbundenheit für sie Ausdruck zu verleihen… Ziel der Aktion ist es, ein Zeichen gegen national-chauvinistische «Sprachpflege»-Initiativen zu setzen.

Hintergrund (Zitat Zahlpatenschaft e.V.):

Das Projekt «Wortpatenschaft» des Vereins für deutsche Sprache vergibt ab 19 € «deutsche» Worte und zum Schutz und zur Pflege der deutschen Sprache. Nicht erst beim zweiten Blick auf die Wortpatenschaft offenbart sich des Pudels Kern: Mit Aufklebern wie «Der Klügere spricht Deutsch» manifestiert sich hier eine nationalistische Strömung, die um eine vermeintlich deutsche kulturelle Identität durch Ausgrenzung ringt. Die Popularität solch irrwitziger «Sprachpflegeprojekte» vor allem auch im bildungsbürgerlichen Gesellschaftsspektrum scheint dabei äußerst bedenkliche Wirkungen zu entfalten. […] Sprachpflegeprojekte wie die Wortpatenschaft stützen sich auf eine diffuse Angst vor einem angeblichen Verfall der deutschen Sprache. Bemüht wird dabei vor allem die Ablehnung von Anglizismen, welche dafür Sorge trügen, dass Deutsch als solches in absehbarer Zeit nicht mehr existieren werde. Was dahinter steckt, zeigt sich in den sprachlichen Bildern, mit denen diese Angst beschrieben wird: die Reinheit unserer Sprache wird durch Verwässerung bedroht und fällt der Globalisierung, welche in Wahrheit eine Amerikanisierung sei, zum Opfer. Die im Hintergrund der Webseite der Wortpatenschaft heroisch wehende deutsche Flagge offenbart somit den eigentlichen programmatischen Charakter des Projekts: das Wiederauflebenlassen eines vor allem kulturell begründeten Nationalismus.

Wie viel transnationaler und transkultureller sind da Zahlen! Sie sind ein Statement gegen bornierte Kleinstaaterei und für Austausch und Begegnung. Gimmick: Die zu zahlende Gebühr von 15,15 € wird vom Verein für Antidiskriminierungsprojekte gespendet.

 

Abgeordnetenwatch – ich bin dabei!

Koray Yılmaz-Günay

 

Alle Interessierten haben die Möglichkeit, mir und anderen Abgeordnetenhaus-Kandidat_innen ihre Fragen zu stellen, um am 18. September eine informierte Wahl treffen zu können.

Wer eine Frage stellen will, kann einfach diesem Link folgen!

 

«Rechtspopulismus in Berlin»

 

Das Bündnis «Rechtspopulismus Stoppen» hat heute seine neue Broschüre vorgestellt, in der auch ein kleiner Beitrag von mir drin ist. Verschiedene Mitglieder des Bündnisses wiesen auf die anstehenden Aktivitäten gegen die rechtspopulistischen Parteien «Pro Deutschland» und «Die Freiheit» hin. Es gilt weiter: NULL PROZENT bei den Wahlen im September!

 
Informationen zum Buch

Cover: Karriere eines konstruierten Gegensatzes


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